Montag, 8. November 2010

Agro-Kraftstoffe

8. November 2010
Keine klimafreundliche Lösung

Berlin/Hamburg. „Die Untersuchung macht deutlich, dass eine Fläche ungefähr so groß wie Bayern in intensive Ackerkulturen oder Plantagen umgewandelt werden müsste. Wenn die EU-Mitgliedstaaten ihre Ziele im Bereich der Agro-Kraftstoffe nicht korrigieren, sind daher gravierende Konsequenzen für Klimaschutz und Ökosysteme weltweit zu befürchten“, sagt NABU-Agrarexperte Florian Schöne.

Die EU setzt auf Agro-Kraftstoffe, bis 2020 sollen sie 9,5 Prozent des Bedarfs auf dem Verkehrssektor decken, über 90 Prozent lieferten Energiepflanzen. So steht es in den nationalen Aktionsplänen. Doch in einer Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP) wird davor gewarnt.

Spitzenreiter wäre Deutschland mit 5,5 Millionen Tonnen Biosprit. Notwendig wäre dafür eine  Anbaufläche von bis zu einer Million Hektar. Die jährlichen CO2-Emmissionen würden um 11 Millionen Tonnen steigen. Europaweit läge der Anstieg bei 27 bis 56 Millionen Tonnen. Damit wäre laut IEEP die Treibhausbilanz im Schnitt um 81 bis 167 Prozent schlechter als bei fossilen Kraftstoffen.

„Die Studie bestätigt die schlimmsten Befürchtungen zu den Schäden von Agro-Kraftstoffen für Umwelt und Klima. Die Umwandlung von Wald, Weideland oder Moorflächen in Ackerland und Plantagen führt dazu, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch die vermeintlichen Biokraftstoffe eingespart wird“, so Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace.

Die EU-Kommission diskutiert derzeit über die negativen Folgen so genannter indirekter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik. Schon jetzt bestehen große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes im Verkehr beitragen können.

Umweltverbände fordern deshalb von der Bundesregierung: Friert die Ausbauziele für Agro-Kraftstoffe ein, zieht Treibhausgas-Bilanz mit Berücksichtigung der Folgen von indirekten Landnutzungsänderungen.

„Agro-Kraftstoffe sind keine klimafreundliche Lösung für unseren Energiebedarf, sondern sie verdrängen vor allem in tropischen Ländern die lokale Bevölkerung, den Lebensmittelanbau und natürliche Ökosysteme wie Regenwälder“, so Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Solange die gesamten Konsequenzen der Agro-Kraftstoffe für Umwelt und Klima nicht berücksichtigt würden, müsse die Politik die Beimischungsziele grundsätzlich in Frage stellen.

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